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woensdag 16 januari 2019

Goethes Erben: Eigenartigerweise jammern die am lautesten, die nicht auf einer Flucht ertrinken oder in ihrer Heimat erschossen oder gefoltert werden

In 2014 brach Goethes Erben das jahrelange Schweigen, worin die theatralischen Avantgardisten seit 2006 gehüllt waren, als die Band für unbestimmte Zeit eine Pause einlegte.  Es folgten Konzerte und ein Musiktheater, aber mit 'Am Abgrund' gibt es jetzt auch das erste Studioalbum seit 12 Jahren. „Zu lang geschwiegen“, klingt es auf der neuen CD. Es handelt sich nicht so sehr um die musikalische Pause. Es geht um Politik, um die fehlende Menschlichkeit, um die Verhärtung der Gesellschaft und nicht zuletzt, um die Antwort, die wir liefern. Wir haben Mastermind Oswald Henke gesprochen...

‚Am Abgrund’ ist das erste, neue Studio-Album seit der Wiederkehr von Goethes Erben in 2014. Du hattest vor einigen Jahren gesagt, es wäre zu gefährlich, heutzutage noch physische Tonträger zu veröffentlichen. Warum hast du dich dann dafür entschieden, eine neue CD zu machen?

Oswald Henke: Ich habe nicht gesagt, dass es gefährlich wäre, sondern wenig sinnvoll, da der Markt für physische Tonträger de fakto ausstirbt. Wir haben aber die Live-Version von "Rückkehr ins Niemandsland" zum 25 jährigen Jubiläum von Goethes Erben als Live DVD veröffentlicht sowie auch "Menschenstille" als Live-Version auf DVD und CD. Weiterhin gibt es Goethes Erben nicht nur rein „virtuell“, als MP3 Downloads oder als Streaming. Ich bin der Meinung, dass dieser immaterielle Konsum von Musik kaum noch mit einer Wertschätzung der eigentlichen Musik und des Künstlers verbunden ist. Insbesondere durch Streaming besteht auch die Gefahr, dass irgendwann, irgendwo eine Zensur stattfinden kann, denn, wenn man etwas nicht wirklich besitzt kann auch der Zugang dazu verhindert werden. Nur mit eigens gekauften Tonträgern, weiß man dass man, wann immer man will, seine Musik hören kann, unabhängig von  kurzlebigen Abspielgeräten oder vom Onlinezugang.

Außerdem ist mir die Haptik wichtig. Eine Schallplatte in den Händen zu halten, die Hülle zu fühlen und zu lesen, das macht das Ganze etwas wertiger. Ich bin so einer, der z.B. ganz genau weiß wo die LP, die ich in der Zeit meiner ersten großen Liebe hörte, in meinem Regal steht, oder wo mein erster Tonträger steht, den ich vor Jahrzehnten gekauft habe. Leider wird die Musik heutzutage oftmals nur noch als akustischer Bildschirmschoner verstanden.

Warum wir jetzt ein neues Album veröffentlicht haben? Ganz einfach, wir hatten etwas mitzuteilen und aus dem Grund haben wir „Am Abgrund“ veröffentlicht. Wir müssen keine Verträge erfüllen, wir haben das Album gemacht weil wir es wollten und der Meinung waren, wir haben das tiefe Bedürfnis uns mitzuteilen, unsere Gedanken zu teilen. Aus diesem Grund haben wir „Am Abgrund“ als CD bzw. LP veröffentlicht.



2015 hast du ‚Menschenstille’ inszeniert, ein sehr dunkles Musiktheater, basiert auf deiner Gedichtsammlung ‚Narbenverse’, das nach dem Selbstmord eines Freundes geschrieben wurde. Was wolltest du mit diesem Stück ausdrücken?

In dem Musiktheaterstück „Menschenstille“ habe ich versucht, das Thema Suizid zu erklären und zwar aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ich habe versucht für mich persönlich zu erklären, wieso ein Mensch den Freitod wählt, obwohl er z.B. nicht todkrank ist, was ich als Grund verstehen würde um würdevoll sterben zu wollen. Das Thema ist aber sehr komplex und es gibt keine allgemeingültige Antwort. Am Ende stand für mich nur eines fest: „Leben ist die Option auf Alles, wenn man will“. Und darum geht es. Das Thema ist einfach zu privat, als das man es auch nur annähernd allgemeingültig bewerten oder beantworten könnte. Es geht einfach darum, wie sehr man das eigene Leben wertschätzt und was es für einen persönlich bedeutet, wenn das Leben beeinträchtigt wird und dadurch wertlos erscheint. Für mich ist Suizid etwas, was jedem in Eigenverantwortung obliegen muss, aber ich finde jeder Mensch sollte sich genau überlegen, was so eine persönliche Tat auch für Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen hat. Was bedeutet es für die Überlebenden, die Familie, die Lebenspartner und Freunden?

Ich habe das Gefühl, dass psychische Erkrankungen und Depressionen auch bei ‚Am Abgrund’ sehr präsent sind. Ist ‚Am Abgrund’ thematisch mit ‚Menschenstille’ verbunden? Was ist das übergreifende Thema zu ‚Am Abgrund’?

„Am Abgrund“ hat nicht wirklich einen direkten Bezug zu „Menschenstille“ aber am Ende ist alles was ich mache irgendwie miteinander verbunden, denn ich schreibe grundsätzlich über meine Gefühle und auch über meine Sicht der Dinge, die mich eben gesellschaftlich, sozial oder politisch stören. Kunst hat in meinen Augen eine Gewissensfunktion in einer Gesellschaft, sie kann hinweisen und zum nachdenken anregen aber keine Lösungen bieten. „Am Abgrund“ hat eine introvertierte Seite, „Es ist still“, „Denn es ist immer so“, aber auch sehr extrovertierte, zornige Stücke, „Darwins Jünger“ oder „Lazarus“ und dann Stücke die beides verbinden „Zu lang geschwiegen“ oder „Verstümmelung“. Thematisch hat die Sammlung der Stücke aber nichts mit „Menschenstille“ zu tun. „Am Abgrund“ ist kein Musiktheaterstück sondern eine Sammlung von Fragmenten. „Menschenstille“ war eine Liveinszenierung, ein Musiktheaterstück, „Am Abgrund“ ein Studioalbum im klassischen Sinne. Vielleicht sind die introvertierten Stücke eben jene, die viele Fans mit der „Trilogie“ in Verbindung bringen, aber natürlich ist auch „Das Ende“ zornig, aber eben auf andere Art und Weise wie „Darwins Jünger“.

Am Ende ist eine Depression eine Krankheit aus dem man ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. "Am Abgrund" handelt dahingegen von Gefühlswelten die man noch selbst beeinflussen und verändern kann. Es ist somit zwar düster und melancholisch aber auch klar selbstbestimmt im Handeln. Die Sprachlosigkeit ist eher gesellschaftspolitisch, wir leben in einer Welt, die wieder kleiner wird. Man spricht von Postfakten und Politiker lügen bewusst und sprechen Fakten ihre Richtigkeit ab, das ist das Problem, die Welt steuert auf eine Depression zu, aber wir als Menschen haben die Möglichkeit das nicht zu akzeptieren und es für uns zu verändern. Natürlich kann man als Individuum nicht die Welt von heute auf morgen verändern, aber man kann damit anfangen und eben mit den kleinen Dingen beginnen.



Als ,Lazarus’ veröffentlicht wurde, hattest du ein neues Musiktheater mit dem Titel ‚Meinungsstörung’ angekündigt. Ist ‚Am Abgrund’ aus dieser Idee entstanden? Wird es ein neues Musiktheater geben?

„Meinungsstörung“ ist ein Musiktheaterstück und ein Teil der Musik aus diesem Musiktheaterstück wurde auf „Am Abgrund“ in Studiofassungen veröffentlicht, also aus dem Kontext gerissen. „Lazarus“, „Darwins Jünger“ oder „Verstümmelung“ sind Szenen aus diesem Musiktheaterstück. Da aber Musiktheaterstücke schwierig zu finanzieren sind, was ich bei „Menschenstille“ wieder einmal feststellen musste, werde ich vorerst das neue Stück nicht live umsetzen. Mir ist das finanzielle Risiko zu groß, also wird „Meinungsstörung“ 2019 erst einmal als Buch erscheinen. Ob ich es als Musiktheaterstück umsetze? Vielleicht, irgendwann, irgendwo...

‚Lazarus’ befasst sich mit der Reaktion auf die Flüchtlingskrise, ‚Darwins Jünger’ mit der Aufteilung von Menschen in schwach und stark, ‚Rot’ mit Kindesmissbrauch. Sicherlich ist ‚Am Abgrund’ sehr politisch. Siehst du einen Zusammenhang zwischen dem ‚Scheitern der Menschheit’ worüber du singst und der Zunahme von Depressionen?

„Rot“ handelt nicht von Kindesmissbrauch sondern von Missbrauch und Manipulation allgemein, denn jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens von allem um ihn herum beeinflusst und deformiert. Egal ob es die eigene Familie ist, Freunde, Bekannte, Medien, Politiker etc. alles wirkt in irgendeiner Form auf unsere eigene Meinungsbildung. Wir werden somit in unserer Meinung gestört. – „Meinungsstörung“ handelt von den unterschiedlichsten Aspekten dieser Meinungstransformation. Aber auch vom Individuum das in diesen Mechanismen versucht zu leben, zu überleben oder scheitert...

Die Welt ist depressiv, aber eigenartigerweise jammern die am lautesten, die nicht auf einer Flucht ertrinken oder in ihrer Heimat erschossen oder gefoltert werden oder einfach nur verhungern weil sie in einer Region geboren wurden, die nicht privilegiert war oder ist.

In ‚Denn es ist immer so’ verweist du auf ältere Songs von Goethes Erben, insbesondere von den ersten drei Alben von Goethes Erben - die Trilogie -, die jetzt als Vinyl-Box veröffentlicht werden. Sind ‚Menschenstille’ und ‚Am Abgrund’ in gewisser Weise mit der Trilogie verbunden?

Ich denke der komplette textliche und musikalische Kosmos von Goethes Erben ist miteinander verbunden und das ist, denke ich auch, die Stärke von Goethes Erben. „Denn es ist immer so“ ist die Erben Geschichte konzentriert auf ein Lied.
Ein introvertierter Rückblick, aber nicht nur auf die Trilogie sondern auf das komplette Werk davor. „29 Jahre Goethes Erben“.



‚Wir sind alle alt geworden’, singst du in ‚Denn es ist immer so’. In der Tat hat sich die Goth-Szene verändert und sie ist gealtert, seit ihr zu Beginn der 90er Jahre eine der führenden Bands der Neuen Deutschen Todeskunst wart. Kann Gothic noch junge Leute anziehen? Was denkst du über das Altern der Goth-Kultur?

Das Problem ist, das ich vielen heutigen Bands aus der sogenannten Gothic Szene nicht das abnehme was sie machen. Manchmal hat man das Gefühl das hier „Gebrauchsgothic“ veröffentlicht wird, Klischees über Inhalte gestellt werden und Musik nur zum Selbstzweck ohne Anspruch an sich selbst gemacht wird. Aus dem Grund ist die Szene auch verwässert, denn es gibt kaum noch Menschen, insbesondere unter den Jüngeren, die diese Szene auch leben und nicht nur als Maske vor sich her tragen und sich zum Wochenende „kostümieren“. Schwarz sein ist eine Lebenseinstellung, die sicher auch etwas mit Optik zu tun hat aber auch mit einem Lebensgefühl, das eben nicht den Normen entspricht, die eine Gesellschaft von ihren folgsamen Mitbürgern erwartet. Am Ende sind meine schwarzgefärbten Haare und die Art und Weise wie ich lebe und was ich mitteile ein Protest gegen das was mich an der Welt stört. So sage ich Nein! Ich gehöre nicht zu Euch, ich stehe am Rand und beobachte euch Buntmenschen, aber auch die Menschen die sich gerne schwarz kleiden weil es schick ist und man damit provozieren kann. 

Nur provozieren ist mir zu wenig, ich will am Ende auch irgendetwas mit meinem Leben bewirken und wenn es nur das ist, das ich mit meinen Texten und der Musik Menschen erreiche, die sich verstanden fühlen und so eben nicht allein sind oder fühlen. Ich bin oft traurig darüber wie sich die Gesellschaft zurückentwickelt und die Errungenschaften der Aufklärung vergisst oder als Postfakten vergewaltigt und verbrennt. Die Menschheit verroht immer mehr, sowohl in der Sprache als auch in der Fähigkeit, empathisch miteinander umzugehen. Aber das ist kein Problem von jung oder alt, das ist ein Problem der Menschen an sich. Ich mag denkende Menschen, die sich eigene Meinungen bilden können, die offen sind, die fühlen können und die sich auch auf einem Konzert von Goethes Erben ihrer Tränen nicht schämen müssen, da sie angekommen sind. Das Alter spielt keine Rolle. Ich denke Goethes Erben ist zu alt um noch wirklich junge Leute in der Breite anzusprechen, aber auch das ist nicht ausgeschlossen. Was ich mache ist ein Angebot, entweder man möchte sich mit meiner Musik und den Texten auseinander setzen oder lässt es eben bleiben. Ignoranz gab es auch schon vor 25 Jahren in dieser Szene. Aber ich denke auch, es ist nicht schlimm wenn jemand mit Goethes Erben nichts anfangen kann, ich kann auch mit vielen Dingen nichts anfangen.

Die Neue Deutsche Todeskunst war eine Bewegung, die sehr unterschiedliche Bands vereinte. Gab es einen gemeinsamen Nenner der Bewegung, und würdest du zustimmen, dass die wichtigsten Bands nach 1994 weiter entwickelten und das Genre verlassen haben?

„Neue Deutsche Todeskunst“ war ein Begriff der Musikpresse, ich finde ein sehr einseitiges Label, denn wir haben uns nie nur mit dem Tod beschäftigt, sondern mit dem ganzen Menschen und seinen unterschiedlichsten Gefühlswelten. Natürlich eher mit den dunklen Gefühlen und mehr realistisch pessimistisch als euphorisch.

1993 arbeiteten die drei größten Projekte in der Neuen Deutschen Todeskunst - Goethes Erben, Lacrimosa und Das Ich - gemeinsam an ‚Lycia’ von Christian Dörge. Verschiedene Teilnehmer, auch du, waren von diesem Projekt frustriert. Was ist schief gelaufen?

Die Stücke sind gut, nur die finale Abmischung der Stücke im Studio bei der ich dann am Ende nicht anwesend war, ist leider nicht so geworden wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war eben kein Teamwork, das ist die Tragik.

April 2019 wird Goethes Erben wieder auf dem Black Easter-Festival in Belgien auftreten. Was können wir erwarten?

Oswald Henke: Wie immer bei Festivals spielen wir uns durch die unterschiedlichen Kapitel der Erben Geschichte.

Bilder: Xavier Marquis

Goethes Erben

Black Easter Festival mit Goethes Erben, Daemonia Nymphe, The Breath Of Life, Evi Vine, Hackedepicciotto, Jo Quail...

zaterdag 1 september 2018

Wutanfall & DDR-punk: Die Punkszene ist ein kleiner Haarriss in der Mauer des DDR Systems gewesen.

Punk hatte schon immer Freude daran, gegen schmerzende Schienbeine zu treten. Das konnte schwerwiegende Konsequenzen haben. Im kapitalistischen Westen - wo Punk entstand - aber mehr noch im kommunistischen Osten, wo freie Meinungsäußerung sehr relativ war. Wutanfall war eine der ersten Punkbands in der DDR. Sie erlebten viele große Momente, aber auch die Härte der Stasi-Repression. Fast 35 Jahre nach ihrer Auflösung erscheint zum ersten Mal eine LP von Wutanfall. Wir hatten ein faszinierendes Gespräch mit Schrammel, dem Herausgeber des Albums.

Wutanfall war in Leipzig als erste Punkband bekannt. Sie erschienen 1981. Was war der Einfluss der Band?

Wutanfall rekrutierte sich aus den ersten Punks in Leipzig. Die Szene bestand damals aus einer kleinen Gruppe, die sich aus allen Stadtteilen der Stadt gesucht und gefunden hatte. Wutanfall wurde schnell das Flaggschiff, um die sich die Szene sammelte. Der Mittelpunkt sozusagen. Schnell wurde Wutanfall über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Sie spielten gemeinsam mit anderen Gruppen der ersten Generation DDR Punks in Erfurt, Jena, Halle und Berlin. Durch ihre Geschwindigkeit und Energie auf der Bühne galten sie als die „schnellste und beliebteste“ Punkband der DDR. Die Auftritte waren legendär und jeder kannte Wutanfall. Bald war Leipzig die Stadt mit der zweithöchsten Punkanhängerzahl in der Republik. Bis heute erinnern sich viele an Wutanfall, kennen Geschichten der Band. Der damalige Einfluss zeigt sich daran, dass bis heute kaum Literatur über DDR Punk veröffentlicht wurde, wo die Band nicht explizit erwähnt wird.

Obwohl Wutanfall bis heute legendär ist, ist es das erste Mal, dass eine LP mit ihrer Arbeit zusammengestellt wird. War es schwierig gute Aufnahmen für die LP zu finden?

Gute Aufnahmen von DDR Punk Bands zu finden ist immer schwierig. Da die Gruppen ja illegal existierten, gab es keine Möglichkeit offiziell in Studios zu gehen, um dort professionell aufzunehmen. Gute Aufnahmetechnik, sogar ein gutes Mikrophon zu bekommen war ein Glückstreffer. So blieb meist nur der Kassettenrecorder oder ein Tonband mit Raummikro um die Musik im Proberaum aufzunehmen. Wutanfall hatten das Glück über ein gutes Westmikro zu verfügen, welches bei einem Puhdys (DDR Rock Band Nr.1) Konzert in Leipzig geklaut wurde. Dadurch ist auf den Wutanfall Aufnahmen der Gesang recht gut verständlich. Das Problem war aber: überhaupt wieder Aufnahmen zu finden. Die Band selbst hatte nur noch ein einziges Tape. Erst über die alten Verbindungen zu Freunden der Band fand sich wieder mehr Material zusammen. Da hatte einer noch ein Tonband und dort gab es noch einen Livemitschnitt. Die Wutanfaller selbst haben sich darüber sehr gefreut und gestaunt was die Zeiten überdauert hat. Die Sachen sind immerhin 38 Jahre alt und viele Songs waren bereits in Vergessenheit geraten.

Wutanfall war am Anfang nicht solch eine politische Band. Es war eher der Kontext, der es politisch machte. 1983 wurde die Stasi angewiesen, hart gegen Punks zu sein. Warum?

Die Punks der ersten Generation waren anfangs nicht politisch oder gar staatsfeindlich eingestellt. Punk war eine Jugendbewegung von Leuten, die Spaß an der Musik und am Aussehen hatten. Was von staatlicher Seite vorgegeben wurde, reichte ihnen nicht aus. Sie testeten ihre Grenzen. Schnell war in der DDR genau dies das Politikum. Ihr Aussehen passte nicht in den real existierenden Sozialismus. Was diese jungen Typen da machten, konnte nicht harmlos sein. Darüber war sich der Staatsapparat schnell einig. Es passte nicht ins sozialistische Weltbild des positiven Fortschritts und musste daher weg.

Trotz der -  anfänglich nicht vorrangig - staatsfeindlichen Texte der Bands waren diese doch ein Politikum. Sie prangerten offen die Widersprüche in der DDR an und benannten diese klar. Dies machten die übrigen Musikgruppen der DDR höchstens verschleiert und sehr vorsichtig. Bei den Punkbands wurde nun offen der Verfall der Städte, die Doppelmoral in der DDR, die Sinnlosigkeit der Planstellen oder die vergiftete Umwelt besungen. Das war einfach viel zu offen für DDR-Verhältnisse. Bis 1983 war die Szene ständig gewachsen und nicht wenige Punks hatten bereits negative Kontakte mit der Polizei, der Staatssicherheit und auch dem normalen Bürger, auf Arbeit und in der Schule gemacht. Die Texte verschärften sich zusehends und die Punks waren zudem aus dem städtischen Bild nicht mehr zu vertreiben. So erging von Minister Mielke, dem obersten Chef des Ministeriums für Staatssicherheit, der Befehl „Härte gegen Punk“ zu zeigen und „die Samthandschuhe auszuziehen“, also eine Endlösung herbeizuführen und die Punkszene zu vernichten. Dies wurde umgesetzt indem angeblich führende Köpfe der Szene kriminalisiert und verhaftet wurden, andere aus der DDR ausgewiesen wurden oder zur Armee eingezogen wurden. Andere wurden psychisch so unter Druck gesetzt, dass sie sich von der Punkszene distanzierten. Manche bekamen den PM12, einen Ersatzausweis, der unter anderem das Reisen in sozialistische Bruderländer unmöglich machte und der Polizei die Möglichkeit gab den Besitzer dieses Ausweises grundlos für 24 Stunden inhaftieren zu können. All diese Maßnahmen schienen am Anfang von Erfolg gekrönt zu sein. Die Szene war 1984 tatsächlich ausgedünnt. Es hatte aber eben auch die Wirkung, dass die, die diese Repressionen über sich ergehen lassen mussten, nun sehr genau wussten, was sie von diesem Staat zu halten hatten. Sie radikalisierten sich. Die DDR hat sich ihre Staatsfeinde selbst gemacht. Denn genau das waren die Punks nun.

Die Stasi hatte sogar ein spezielles Programm für die Auflösung von Wutanfalls: OPK Stern. Es scheint, dass Sänger Chaos ein besonderes Ziel dieses Programms war. Mit welchen Methoden hat die Stasi Menschen wie Chaos eingeschüchtert?

Chaos war der Sänger von Wutanfall. Wutanfall war ja aus Sicht der Stasi der Kern des Übels in Leipzig. Sie gingen davon aus, dass es einen Anführer geben muss. Und bei einer Band muss der Anführer der Sänger sein. So hat sich die Stasi auf Chaos besonders eingeschossen. Das Ziel der OPK „Stern“ war es, die Band zu zersetzen und zu vernichten. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist eindeutig in der OPK „Stern“ benannt: Den Sänger psychisch unter Druck setzen, um damit die Band zu verunsichern. Dies bedeutete in der Realität, dass Chaos teilweise mehrfach in der Woche zum Verhör abgeholt wurde, Verbote wie Innenstadtverbot erhielt oder an Festtagen wie dem 1. Mai Hausarrest bekam. Er wurde nachts von der Polizei unter fadenscheinigen Gründen aus dem Bett geholt und drangsaliert. Körperliche Gewalt kam ebenfalls hinzu. Chaos erzählt beispielsweise von einer Fahrt in den Wald, wo er von mehreren Leuten der Staatssicherheit mit einem Sack über dem Kopf bewusstlos geprügelt wurde. All dies diente der totalen Einschüchterung. Es ist heute kaum vorstellbar, aber es gab keine Möglichkeit diese Dinge irgendwie anzuprangern oder eine Anzeige zu erstatten. Die Punks in einem Alter von höchstens 19 Jahren waren den Staatsrepressionen komplett ausgeliefert. Und genau dieses Gefühl des „komplett ausgeliefert seins“ wollte die Staatssicherheit erreichen.

Die Stasi suchte auch nach Inoffiziellen Mitarbeitern - IM - in der Punkszene. Sie konnten zwei Musiker von Wutanfall rekrutieren. Wie konnten sie diese Leute davon überzeugen, an ihrem Programm teilzunehmen und was wollten sie von ihnen?

Der Einsatz von Spitzeln diente dazu, die Szene zu unterwandern, Informationen zu beschaffen, beispielsweise wann und wo illegale Konzerte stattfinden sollen und die Punks von innen zu zersetzen. Das war eine gängige Methode, die auch bei anderen oppositionellen Gruppierungen genutzt wurde.

Die Gründe für die Mitarbeit sind von Fall zu Fall unterschiedlich und müssen tatsächlich differenziert betrachtet werden. Es gibt Fälle, bei denen klare Erpressung Grund für die Mitarbeit ist („entweder du arbeitest für uns oder du gehst in den Knast“). Es gibt aber auch Fälle, bei denen Geld und Abenteuerlust der Grund sind. Manche haben versucht, mit der Stasi zu spielen und nur irrelevante Dinge weiterzugeben. Das war natürlich eine Fehleinschätzung, denn auch die kleinste Information wurde in dem riesigen Apparat „Staatssicherheit“ weiterverarbeitet und zusammengepuzzelt.

Im Umfeld von Wutanfall gibt es einige IM die über die Band berichteten. Die beiden Bandmitglieder sind natürlich besonders problematisch. Im Falle von IM „Schwarz“  dem zeitweiligen Gitarristen der Band war Abenteuerlust und finanzielle Stimulierung der Grund für die Zusammenarbeit. Er galt als Hehler, hatte keine Lust. arbeiten zu gehen (in der DDR galt Arbeitspflicht) und war daher in permanenter Geldnot. Er hat seine Mitarbeit dazu genutzt, Leute, die ihm im Wege waren, ans Messer zu liefern. Nachweislich ist er dafür verantwortlich, dass mehrere Leute durch seinen Verrat hohe Haftstrafen absitzen mussten. Er galt bis zu seiner Enttarnung durch die Akteneinsicht von Stracke, Anfang der Neunziger Jahre, als eine Art „Szeneguru“ in Leipzig.

IM „Käptn“ der Bassist der Band erhoffte sich eine Wohnzuweisung durch seine Mitarbeit. Er wohnte illegal in einem zum Abriss freigegebenen Haus. Wohnungen wurden ja in der DDR zugeteilt. Als Punk, unverheiratet und ohne Kinder gab es kaum die Möglichkeit, Wohnraum legal zu bekommen. „Käptn“ ist ein klarer „Angst-IM“. Also er versucht sich selbst aus der Schussbahn zu bekommen, ohne die Konsequenzen für ein „Nein“-Sagen abzukriegen, aber auch, die Band nicht aufgeben zu müssen. Seine Aufgabe bestand darin, Auftritte der Band zu verhindern, die Band in ruhigem Fahrwasser zu halten und über Bewegungen in der Gruppe zu berichten. Er behauptet, nur mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben, um sie auf falsche Fährten zu locken. Aus den Akten geht hervor, dass er tatsächlich immer wieder laviert und sich windet.

Trotzdem bleibt in beiden Fällen der Verrat von Freunden. Egal wie intensiv und aus welchen Gründen die Zusammenarbeit mit der Stasi tatsächlich war. Das ist das Tragische. Trotz der beiden IM war Wutanfall nie eine von der Stasi gelenkte Band. Die Gruppe war immer, zu jeder Zeit, eigenständig.  

Als die Berliner Band "Namenslos" - vielleicht die radikalste Anti-System-Band der DDR - inhaftiert wurde, zeigten sich Punks in Leipzig solidarisch und wurden ebenfalls eingesperrt. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Namenlos hatten garantiert die systemkritischsten Texte der damaligen DDR Punk Szene. Das war ganz klar staatsfeindlich. Aus heutiger Sicht ein extrem mutiges Konzept, aber eben auch ein Suizidkommando. Die Band wurde nach ihrem dritten öffentlichen Auftritt bei der Bluesmesse 83 in Berlin verhaftet und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das war schon eine Machtdemonstration des Staates, die auch der Abschreckung dienen sollte.

Es gab engen Kontakt zwischen Leipziger Punks aus dem Wutanfall Umfeld und den Namenlos Mitgliedern in Berlin. Kurz vor der Inhaftierung der Band hatten einige Leipziger die Berliner noch besucht und waren mit ihnen in Berlin sprayen gewesen. Während einer Fete in Leipzig Grünau, dem Vorzeigeneubaustadtviertel Leipzigs, kamen 4 Leipziger auf die Idee, ein Zeichen setzen zu müssen. Im alkoholisiertem Zustand haben sie dann nachts die sozialistisch angemalten Stromhäuschen in Grünau besprüht (auf die war die Stadt besonders stolz).  Das ging von Worten wie „Bullenstaat“ bis hin zu dem Satz „Freiheit für Jana, Mita und A-Micha“ den Bandmitgliedern von Namenlos. Unter anderem durch den Verrat von IM „Schwarz“ verhaftete die Stasi bereits 2 Tage später die Sprayer. Die Tat wurde allerdings nicht, wie von den Angeklagten gedacht als „Zerstörung öffentlichen Eigentums“, sondern als „Politische Tat“ eingestuft auf die Haft stand. Die Sprayer wurden daher zu Freiheitsstrafen von 7 Monaten bis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

1983 verließ Chaos Wutanfall. Er wurde für kurze Zeit von Stracke abgelöst. Stracke gründete daraufhin L'Attentat - mit Imad, der ein IM war - als eine viel politischere Punkband. Was war die Motivation von Stracke?

Stracke hatte ja bereits mit Imad und Ratte eine Band namens HAU, die neben Wutanfall in Leipzig existierte. Als Chaos Wutanfall verließ, sprang Stracke als Sänger bei Wutanfall ein. Das war nur logisch, da er bereits vorher einige Male als Sänger bei Proben eingesprungen war, wenn Chaos verhindert war und er dadurch die Texte kannte. Anfang 1984 verließ Typhus, der Gitarrist, Wutanfall und Imad stieg als Gitarrist ein. So gab es einige Zeit Überschneidungen in der Besetzung der beiden Bands. Imad kam, bevor er Punk wurde, aus der Anarchoszene und Ratte sowie Stracke hatten 1984 bereits Knasterfahrung und waren daher klar radikalisiert. Zappa und Rotz entwickelten in dieser Zeit bereits andere musikalische Wege. Zappa machte bereits mit Chaos das Noiseprojekt „Pffft…!“  und gemeinsam mit Rotz die Band Delta Z mit lyrischeren Texten als bei Wutanfall. So löste sich Wutanfall Mitte 1984 auf. Stracke ging mit Imad und Ratte den, für sie logischen Weg aus dem Erlebten mit Polizei, DDR Bürgern und Stasi. Musik als Waffe sozusagen. Alle hatten einen Ausreiseantrag in die BRD laufen und hatten nichts mehr zu verlieren. Daher war das Motto der neu gegründeten Band L’Attentat auch „Jetzt erst recht“.

Wie viele andere Punks reichte Stracke eine Ausreiseantrag ein um das Land zu verlassen. Er berücksichtigte, dass er, wenn er inhaftiert würde, von der BRD freigekauft würde, was tatsächlich geschah. Andere Punks mussten jahrelang auf ihre Ausreise warten. Warum war das?

Stracke wurde 1985 verhaftet, weil er über die DDR Punk Szene in westlichen Fanzines geschrieben hatte. Das galt als „Verbindungsaufnahme zum Feind mit dem Ziel der DDR zu schaden“. Jedenfalls wurde dies so ausgelegt. Er wurde dafür gemeinsam mit seiner Frau Marlies, die die Texte auf der Schreibmaschine getippt hatte und daher Mittäterin war, zu einem Jahr und 7 Monaten Haft verurteilt. Als politische Häftlinge wurden er und seine Frau vom Westen freigekauft. Das war eine gängige Methode, da die DDR an Devisen interessiert war. Freikauf war aber nur bei Häftlingen möglich. Wie und warum manche länger warten mussten und manche eher rauskamen ist sehr schwierig zu beantworten. Zappa durfte 1986 ausreisen, weil er als Wehrdienstverweigerer Stress gemacht hatte. Imad kam erst nach Aufkündigung seiner Mitarbeit mit dem MfS im Frühjahr 89 raus. Warum beispielsweise Chaos oder Ratte bis 1989 schmoren mussten, obwohl sie bereits 1984 den Ausreiseantrag gestellt hatten, bleibt höchst spekulativ. Vielleicht war es tatsächlich eine Machtdemonstration des Staates.

Als die Repression stärker wurde, fanden die Punks einen sicheren Zufluchtsort in den Kirchen der DDR, die ihre Türen für Punkkonzerte und Festivals öffneten. Der Lebensstil der Punks war jedoch sehr anders als der der hingebungsvollen Christen. Hat das nicht zu Konflikten geführt?

Ja, das hat zu Konflikten geführt und ist auch nicht in allen Städten gutgegangen. Es war auch nicht die Kirche, welche die Türen für die Punks aufgemacht hat, sondern einzelne, mutige Pfarrer und Jugenddiakone, wie Lorenz Postler in Halle, die gesehen haben, dass die Punks einen Zufluchtsort benötigen. Oftmals haben sie gegen starke Widerstände aus der Gemeinde arbeiten müssen.


Kirche war ein sicherer Raum. Auf dem kirchlichen Territorium konnte die Staatsmacht, jedenfalls nicht offiziell, eingreifen. Angefangen hat das mit den Trampern und Bluesern, die in Kirchen Bluesmessen organisiert haben. Anfang der Achtziger wurden diese dann durch die Punks abgelöst. Auch das nicht überall konfliktfrei. Die Punks richtig in die Kirchenkreise zu integrieren hat nirgends wirklich funktioniert. In Berlin, Halle oder auch Leipzig hatten die Punks zwar später Räume zur Verfügung, waren aber nicht kirchlich eingebunden. So entstand in Berlin beispielsweise die „Kirche von unten“ oder in Leipzig der „Mockauer Keller“. In Erfurt aber hat die Kirche schnell die Türen für die Punks wieder zugemacht, da diese sich überhaupt nicht an die Hausregeln der Kirche gehalten haben.

Es gab andere Probleme mit den Festivals in Kirchen. Ich habe von zwei legendären Punk-Festivals in einer Kirche in Halle gehört. Kannst du uns erzählen, was dort passiert ist?

Am 30.4.83 fand in der Christuskirche in Halle das erste, große Punkfestival der DDR statt. Organisiert haben das damals Moritz Götze und die aus Halle stammende, Jana Schlosser, Sängerin von Namenlos. Über deren Kontakte wurden Bands aus der gesamten DDR eingeladen. Es kamen Hunderte von Punks aus der gesamten Republik, sodass die Staatssicherheit und Polizei völlig überfordert waren, weil sie die Anzahl der Konzertbesucher unterschätzt hatten. Daher gelangten viele zum Konzertort und erlebten dort die Bands HAU, Unerwünscht, Namenlos, Wutanfall, Planlos, Restbestand und Größenwahn, die damaligen Speerspitzen des DDR-Punk. Von dem Erfolg des Festivals angetrieben sollte dies am 22.10.83 wiederholt werden. Diesmal hatte die Staatssicherheit allerdings vorgesorgt. Jugendliche wurden bereits im Vorfeld daran gehindert, ihre Städte zu verlassen. Ganze Züge wurden von Halle aus zurückgeschickt und Punks die am Bahnhof Halle ankamen, wurden sofort verhaftet. Nur wenige Konzertbesucher erreichten dadurch die Christuskirche. Auch die geplanten Bands kamen nicht durch. So musste improvisiert werden. Das Programm vor circa. 70 Leuten bestand dann aus einem Theaterstück und einer improvisierten Band. Der Erfolg des ersten Festivals ist bis heute ein Zeichen für die Durchsetzungskraft der Punks in der DDR, der Misserfolg des zweiten Festivals eher ein Zeichen dafür, mit welcher Härte die Staatssicherheit nach Mielkes Befehl gegen die Punks vorging.

1989 waren die Montagsdemonstrationen in Leipzig das erste Anzeichen dafür, dass die DDR auseinander fiel. Welche Rolle spielten die Punks bei diesen Ereignissen?

Die ersten öffentlichen Anzeichen hatten sich bereits bei der Wahl im Mai 89 gezeigt, wo zum ersten Mal unabhängige Wahlbeobachter nachweisen konnten, dass die Wahlen manipuliert waren. Bei den ersten Montagsdemonstrationen in Leipzig waren natürlich auch die Leute aus dem „Mockauer Keller“ dabei. Nicht nur Punks.  Sie haben Transparente und Banner gemalt, sind vorneweg gelaufen. Haben die Sache maßgeblich mit ins Rollen gebracht. Später hat dieser Kreis die „Reaktionskonzerte“ veranstaltet. Die Einnahmen der Konzerte wurden für die Verhandlungskosten der Verhafteten während den Demonstrationen gespendet. Als das neue Forum allerdings das Sprachrohr der Montagsdemonstrationen wurde, distanzierten sich die Punks von den Demonstrationen und den neuen Forderungen nach einer Wiedervereinigung. Die Punks wollten die DDR verändern, nicht die Einheit bewirken. Später kippte die Stimmung bei den Montagsdemonstrationen zusehends und immer mehr neofaschistische Züge setzten sich durch. An der Spitze liefen nun Neonazis und Republikaner. Und der Rest lief ihnen hinterher. Aus dem „Wir sind das Volk“ wurde „Wir sind ein Volk“. Da hat sich die Gruppe um den Mockauer Kreis gegen  die Montagsdemonstrationen gewandt und sind ihnen entgegengelaufen. Sie wurden als „Stasikinder“ beschimpft. Von den Menschen, die bisher geschwiegen hatten und sich nun in einem Zug von Hunderttausenden mächtig fühlten. Das muss wehgetan haben. – So habe ich mir es erzählen lassen von denen, die dabei waren.

Die Punkszene an sich betrachtet, denke ich, ist ein kleiner Haarriss in der Mauer des DDR Systems gewesen. Genauso wie andere oppositionelle Gruppen haben sie ihren Teil mit dazu beigetragen, dass die DDR untergegangen ist.